Die Wahl des richtigen Köders ist einer der wichtigsten Aspekte beim Angeln. Sie können den perfekten Ort, eine gute Ausrüstung und ideales Wetter haben, aber wenn Sie den Fischen nicht das bieten, was sie gerade suchen, werden Sie keinen Fang machen. Glücklicherweise muss die Auswahl von Ködern und Köderfischen gar nicht so kompliziert sein, wie es scheint. Es reicht aus, ein paar Grundprinzipien zu verstehen und zu wissen, was bei bestimmten Fischarten funktioniert. Genau das erklären wir Ihnen in diesem Artikel.
Köder vs. Köder: eine kurze Begriffsklärung
Beim Angeln spricht man üblicherweise von Ködern und Ködermitteln. Und obwohl beide Begriffe oft verwechselt und synonym verwendet werden, bezeichnen sie jeweils etwas anderes. Lassen Sie uns also zunächst einmal Klarheit schaffen:
- Der Köder dient dazu, Fische an den Angelplatz zu locken. Typischerweise handelt es sich dabei um Futter, das die Fische in dem Bereich hält, in dem Sie angeln.
- Der Köder ist das, was Sie direkt am Haken haben. Das ist also das, worauf der Fisch tatsächlich anbeißt.
Es ist wichtig zu wissen, dass das eine ohne das andere in der Regel nicht funktioniert. Der Fisch muss zuerst an den Ort schwimmen und erst dann entscheidet er, was er in sein Maul nimmt. In diesem Artikel konzentrieren wir uns daher hauptsächlich auf die Auswahl der Köder für die einzelnen Fischarten, da diese über den Fang entscheiden. Gleichzeitig werden wir aber auch immer die Rolle von Ködern und Futter erwähnen, ohne die die Fische oft gar nicht am Angelplatz bleiben würden.
Grundlegende Arten von Angelködern (und wann man sie verwendet)
Bevor wir zu den einzelnen Fischarten übergehen, ist es sinnvoll, sich einen Überblick über die grundlegenden Köder zu verschaffen. Nicht, damit Sie alles wissen, was es gibt, sondern damit Sie wissen, wann es sinnvoll ist, auf einfache Klassiker zu setzen und wann auf gezieltere Lösungen.
Natürliche Köder: Sicherheit unter schwierigen Bedingungen
Natürliche Köder basieren auf der natürlichen Nahrung der Fische und funktionieren daher zuverlässig in allen Revieren und zu jeder Jahreszeit. Oft retten sie den Tag am Wasser, auch wenn die Fische eher vorsichtig beißen oder nur „probieren”.
Typische Beispiele sind Würmer, Maden, Patentka, Mais, Teig oder Brot. Ihr Hauptvorteil ist ihr natürlicher Geruch und ihre Struktur, auf die Fische instinktiv und ohne langes Zögern reagieren.
Am besten geeignet für:
- für Anfänger
- für kaltes Wasser
- für Reviere mit höherem Angeldruck
- an Tagen, an denen die Fische sehr zögerlich anbeißen
Künstliche Köder: wenn Sie das Angeln besser steuern möchten
Künstliche Köder geben Ihnen mehr Kontrolle darüber, was Sie den Fischen anbieten. Sie können Größe, Farbe, Auftrieb und Verhalten des Köders wählen und so auf bestimmte Fischarten oder größere Exemplare abzielen. Dazu gehören vor allem Boilies, Pellets, Pop-up-Köder, aber auch Kunstköder für Raubfische wie Gummiköder, Wobbler oder Spinner.
Am besten funktionieren sie:
- beim gezielten Fang von Karpfen oder Raubfischen
- in wärmerem Wasser
- bei längeren Ausflügen
- wenn Sie den Fang kleinerer Fische einschränken möchten
Köder und Futter: Wie das zusammen funktioniert
In der Praxis wird meist eine Kombination aus beidem verwendet. Das Futter (Köder) hilft, die Fische anzulocken und an Ort und Stelle zu halten, während der Köder am Haken über den eigentlichen Biss entscheidet.
Das eine kann im Grunde nicht ohne das andere auskommen. Der gleiche Köder kann an einem Tag hervorragend funktionieren und am nächsten Tag überhaupt nicht, wenn der Rest des Puzzles, wie Ort, Tiefe, Aktivität der Fische oder Futtermenge, nicht passt. Der Köder ist der letzte Impuls, aber er muss eine Chance bekommen, zu funktionieren.
Wie man Köder (und Köder) nach Fischart auswählt
Jede Fischart verhält sich anders, frisst anders und reagiert anders auf das, was man ihr anbietet. Deshalb gibt es keinen „Wunderköder”, der immer und überall funktioniert. Wenn man jedoch versteht, wie ein bestimmter Fisch denkt und warum er anbeißt, wird die Auswahl des Köders (und gegebenenfalls auch des Futters) plötzlich viel einfacher und logischer.
Karpfen: Wenn das ganze Puzzle entscheidet
Das Karpfenangeln ist dadurch gekennzeichnet, dass der Köder am Haken nie ganz für sich allein wirkt. Karpfen bewegen sich meist in einem Gebiet, das sie nach und nach erkunden, und wenn ihnen ein Ort gefällt, bleiben sie länger dort. Genau deshalb wird beim Karpfenangeln so oft mit Futter gearbeitet.
Köder für Karpfen
Am Haken finden sich meist Boilies, Pellets, Mais oder Teig. Es kommt jedoch nicht nur darauf an, was Sie verwenden, sondern auch darauf, wie es ins Gesamtbild passt. Kleinere, unauffällige Köder funktionieren oft besser in kälteren Gewässern oder in stark befischten Revieren, wo die Fische vorsichtig sind. Im Sommer und bei längeren Angeltouren können Sie hingegen größere, selektivere Köder verwenden, die den Fang kleiner Fische einschränken.
Köder für Karpfen
Das Füttern (Köder) hat bei Karpfen ein klares Ziel: den Fisch an Ort und Stelle zu halten, nicht ihn satt zu füttern. Es reicht schon wenig, zum Beispiel ein paar Pellets, eine Handvoll Mais oder einige Boilies. Wenn das Futter mit dem Köder „harmoniert”, hat der Karpfen keinen Grund, misstrauisch zu werden, und der Biss kommt viel leichter.
Brassen, Rotaugen und Weißfische: Regelmäßigkeit und Feinheit sind entscheidend
Bei Weißfischen liegt das Geheimnis des Erfolgs vor allem im Detail. Diese Fische beißen oft, aber sehr vorsichtig, und sobald etwas nicht stimmt, verschwinden sie schnell von der Stelle. Genau hier kommt dem Futter eine enorme Bedeutung zu.
Köder für Weißfische
Die Köder sind in der Regel einfach: Würmer, Patentknöpfe, Mais oder kleine Pellets. Oft gewinnen die klassischen Köder, besonders wenn die Fische nur „probieren”. Die Größe des Hakens und die natürliche Präsentation spielen eine große Rolle. Ein zu großer Köder oder ein zu hartes Vorfach können die Bisse komplett verhindern.
Köder für Weißfische
Das Füttern ist bei Weißfischen im Grunde eine Notwendigkeit. Es geht nicht darum, die Fische zu füttern, sondern einen Anziehungspunkt zu schaffen, zu dem sie zurückkehren. Eine feine Futtermischung, eine angemessene Menge und regelmäßiges Auswerfen machen oft einen größeren Unterschied als ein Wechsel des Köders.
Raubfische: Bewegung ist wichtiger als Geschmack
Bei Raubfischen dreht sich alles um Köder, Bewegung und Reaktion. Füttern macht in diesem Fall keinen Sinn. Bei Raubfischen entscheidet nicht der Hunger, sondern der Instinkt: Sie greifen an, sobald etwas wie Beute aussieht.
Köder für Raubfische
Die Wahl des Köders hängt hauptsächlich von der Fischart und den Bedingungen ab. Barsche reagieren auf kleinere, lebhaftere Köder, Zander bevorzugen oft langsames Führen am Grund und Hechte mögen größere Köder. Wichtiger als die Art des Köders selbst ist jedoch dessen Führung, Geschwindigkeit, Pausen und die Arbeit mit der Tiefe.
Forelle und Äsche: Natürlichkeit über alles
Bei Lachsartigen kommt es darauf an, wie glaubwürdig der Köder in die Umgebung passt. Diese Fische reagieren extrem empfindlich auf Bewegung, Schatten und Widerstand der Schnur. Futter wird nicht verwendet, da es sie eher verscheuchen als anlocken könnte.
Köder für Forellen
Beim Angeln auf Forellen oder Äschen ist Fliegenfischen sinnvoll, gerade weil es die natürliche Nahrung fast perfekt imitieren kann. In kälteren Gewässern sammeln Forellen am Grund, daher funktionieren Nymphen, im Sommer ist die Zeit der Trockenfliegen und des Sammelns von der Oberfläche gekommen. Beim Spinnfischen gilt das Gleiche: Kleinere, unauffällige Köder und ein natürlicher Lauf sind wichtiger als eine auffällige Farbe.
Wels: starker Köder, richtige Stelle
Der Wels zeichnet sich dadurch aus, dass er hauptsächlich auf Geruch, Vibrationen und die Größe des Köders reagiert. Daher werden auffällige Köder wie Fische, Rousnice, Blutegel oder Wurmstränge verwendet.
Hier spielt der Köder meist keine Rolle. Der Wels bewegt sich auf seinen Routen zwischen seinem Versteck und seinem Jagdgebiet, und wenn Sie ihm den Köder richtig anbieten, kommt der Biss. Wenn nicht, hilft auch keine noch so große Futtermenge. Beim Wels sind vor allem der Ort und das Timing entscheidend.
Köder je nach Jahreszeit
Was Fische annehmen, ändert sich im Laufe des Jahres erheblich, ebenso wie die Wassertemperatur, die verfügbare Nahrung und ihre Aktivität. Wenn Sie den Köder an die Jahreszeit anpassen, sparen Sie sich viele vergeudete Stunden am Wasser.
Frühling: vorsichtiger Start in die Saison
Im Frühling erwärmt sich das Wasser allmählich und die Fische werden nach dem Winter langsam wieder aktiv. Ihr Stoffwechsel ist jedoch noch immer langsam, sie beißen vorsichtig an und nehmen oft nur kleinere Köder an.
- Weißfische und Karpfen reagieren am besten auf kleinere, natürliche Köder wie Würmer, Patentka, kleine Maisstücke oder feine Pellets.
- Raubfische halten sich oft am Grund oder in ruhigeren Bereichen auf. Kleine Gummiköder, langsames Führen und unauffällige Farben funktionieren bei ihnen gut.
Sommer: Aktivität und Selektion
In warmem Wasser sind die Fische aktiv, haben aber gleichzeitig genug Nahrung. Das bedeutet mehr Bisse, aber auch größere Wählerischkeit. Scheuen Sie sich im Sommer nicht, die Köder zu wechseln und zu testen, denn die Fische reagieren schnell auf Veränderungen.
- Karpfen und Brassen reagieren gut auf Mais, Pellets, Boilies und deren Kombinationen. In wärmerem Wasser können Sie sich größere Köder leisten.
- Raubfische jagen aggressiver. Bei ihnen funktionieren Wobbler, Spinner, größere Gummiköder und oft auch auffälligere Farben.
- Forellen beißen im Sommer vor allem morgens und abends, wenn Trockenfliegen oder leichtes Spinnfischen effektiv sind.
Herbst: Zeit für größere Bissen
Der Herbst ist die Zeit, in der Fische intensiv Nahrung aufnehmen und sich auf den Winter vorbereiten. Die Aktivität ist in der Regel hoch, aber auch zielgerichteter. Diese Jahreszeit ist günstig für diejenigen, die sich nicht scheuen, größere Köder zu verwenden und sich auf die Qualität der Fänge statt auf die Quantität zu konzentrieren.
- Karpfen beißen oft auf nahrhaftere und größere Köder wie Boilies, größere Pellets oder Kombinationen mit Fleischbestandteilen.
- Raubfische sind in Bestform. Größere Köder, langsameres, aber deutliches Einholen funktionieren gut. Probieren Sie Wobbler, große Gummiköder oder tote Fische.
Winter: Feinfühligkeit ist entscheidend
In kaltem Wasser sparen Fische Energie. Das bedeutet nicht, dass sie nicht jagen, aber sie reagieren viel selektiver. Hier gilt: weniger Bewegung, weniger Futter, maximale Geduld.
- Weiße Fische lassen sich vor allem von tierischen Ködern anlocken. Das bedeutet Würmer, Patentka, kleine Häppchen.
- Raubfische stehen oft am Grund und beißen auf langsam geführte Gummiköder oder tote Fische an.
- Große, auffällige Köder funktionieren in der Regel nicht (mit Ausnahme von gezielten Techniken für große Raubfische).
Wie Sie erkennen, dass der Köder nicht funktioniert
Dass der Köder „nicht funktioniert”, bedeutet nicht nur, dass Sie nichts fangen. Oft geben Ihnen die Fische Signale, dass Sie nah dran sind, aber nicht ganz richtig. Wenn Sie lernen, diese zu deuten, ersparen Sie sich viel blindes Warten.
Am Wasser herrscht reges Treiben, aber bei Ihnen nicht
Sie sehen Fische an der Oberfläche, Schwärme, Bewegungen von Weißfischen, Bisse anderer... aber Ihre Angel bleibt still. Das bedeutet in der Regel, dass die Fische zwar da sind, aber Ihr Köder sie nicht interessiert (sei es aufgrund seiner Größe, Farbe, Art oder Präsentation). In diesem Moment ist es sinnvoll, den Köder zu wechseln, nicht den Standort.
Es gibt nur „Klopfen” oder vorsichtige Berührungen
Das ist vor allem beim Feeder-, Posen- oder Karpfenangeln typisch. Der Biss ist zu spüren, aber der Fisch nimmt den Köder nicht vollständig. Das bedeutet oft, dass:
- der Köder zu groß ist
- er hat eine unnatürliche Form
- oder für die Fische verdächtig ist
Versuchen Sie es mit einer kleineren Variante, einer anderen Kombination (z. B. Wurm + Mais statt nur Mais) oder einem feineren Haken.
Langes Warten ohne einen einzigen Kontakt
Wenn Sie sich an einem bewährten Ort befinden, das Wetter angemessen ist, das Futter passt und dennoch 30 bis 60 Minuten lang nichts passiert, ist dies sehr oft ein Zeichen dafür, dass der Köder nicht der aktuellen Stimmung der Fische entspricht. Insbesondere bei aktiven Techniken (Spinnfischen, Feederfischen) ist es besser, früher als später zu reagieren.
Es beißen nur kleine Fische, größere zeigen sich nicht
Vielleicht kennen Sie das: Die Spitze bewegt sich ständig, der Köder verschwindet, aber im Kescher landen immer nur kleine Fische. Größere Fische sind irgendwo in der Nähe, aber sie beißen nicht an. Meistens bedeutet das, dass der Köder für kleine Fische zu verlockend und zu leicht zu fangen ist. Große Karpfen oder Brassen bemerken ihn gar nicht, weil er vorher von kleineren Fischen gefressen wird.
In einem solchen Moment hilft es, den Köder selektiver zu gestalten. Vergrößern Sie den Bissen, wählen Sie eine härtere Variante oder wechseln Sie zu einem Köder, der für kleine Fische weniger attraktiv ist. Probieren Sie beispielsweise größere Pellets, Boilies oder eine Kombination, an die sich kleinere Fische nicht herantrauen. Oftmals verringert sich dadurch die Anzahl der Bisse, aber Sie bekommen diejenigen, die Sie wollen.
Was Sie daraus mitnehmen sollten
Bei der richtigen Köderwahl geht es nicht darum, eine ganze Kiste voller Optionen zu haben, sondern zu wissen, wann und warum man welche wählt. Wenn die Fische anbeißen, funktioniert oft fast alles. Wenn sie jedoch vorsichtig sind, entscheiden Details wie die Größe des Köders, seine Bewegung, Struktur oder der Zeitpunkt des Wechsels. Je mehr Sie den Köder als Werkzeug und nicht als Wundermittel betrachten, desto häufiger werden Sie Bisse erzielen, die nicht nur Zufall sind. Und genau diese bringen Sie als Angler am weitesten voran.